Wort zum Monat August 2017 - Freie evang. Gemeinde Biedenkopf

FeG Biedenkopf

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„Bis heute hat Gott mir geholfen, und so stehe ich als sein Zeuge vor den Menschen, den mächtigen und den geringen.
Ich verkünde nichts anderes, als was die Propheten und Mose voraus gesagt haben.“
Apostelgeschichte 26, 22

Ich erlebe das leider recht häufig, dass Menschen erschrocken reagieren, wenn ich zu einem Besuch vor der Haustür stehe. Gut, bei 2 Metern und 3 Zentimetern Körperlänge kann ein Besucher schon mal bedrohlich wirken. Auch wenn er das nicht möchte.

Dieses Problem hat die Mitbewohnerin meiner jüngsten Tochter im Studentenwohnheim nicht. Da muß nicht nur ich zwei mal hinschauen, bis ich sie einmal wahrnehme. Dabei wirkt die Doktorantin trotz ihrer nur knapp 1 Meter 50 ausgesprochen präsent und selbstbewußt.

Manchmal stelle ich mir vor, wie ich mich wohl mit 50 Zentimetern weniger Körperlänge fühlen würde. Da fiele es mir sicher deutlich schwerer, selbstbewusst aufzutreten. Ich habe keine Ahnung, ob der Apostel Paulus zu seiner Zeit eher kleinwüchsig, normalgewachsen oder recht stattlich war. Bemerkenswert ist sein Auftritt vor dem versammelten Hofstaat rund um König Agrippa, dessen Schwester Berenike und dem römischen Prokurator Felix auf jeden Fall.

Paulus ist schon länger in Cäsaräa in Haft. Obwohl er als römischer Bürger gewisse Vorteile hatte, war ihm und seiner Kleidung die Gefängniszeit sicher anzusehen. Nun steht er gutgekleideten Staatsbeamten, einem König und dessen Familie und vielen anderen Ehrengästen gegenüber.

Ich wäre in der Situation sicher sehr befangen. Und Paulus? Der freut sich ausdrücklich über die Gelegenheit zum Gespräch mit Agrippa (Vers 2). Keine Nervosität ist zu spüren, keine Ängstlichkeit. Im Gegenteil. Der Apostel genießt die Gelegenheit über seinen Fall zu sprechen, über seinen Glauben und vor allem über Gottes liebevolle Hilfe. Vertreter der jüdischen Synagoge hatten mit Halbwahrheiten und dreisten Lügen Paulus verleumdet. Sie unterstellten ihm staatsgefährdenden Terror. Da sie an ihn persönlich nicht herankamen, wollten sie ihn durch die römische Besatzungsmacht zum Schweigen bringen. Paulus aber beruft sich in der Situation auf sein römisches Bürgerrecht und auf den Kaiser. So kommt es nun zu dieser beeindruckenden Begegnung. Und ja, Agrippa ist beeindruckt. So beeindruckt, dass er zu Paulus sagt: „Es fehlt nicht viel, und ich werde selber noch Christ!“

Na ja, das war eben Paulus. Wie oft denke ich so. Aber das ist falsch. Hat Gott nur Paulus in seinem Leben beigestanden? Handelt er heute nicht mehr? „Bis heute hat Gott mir geholfen, und so stehe ich als sein Zeuge vor den Menschen.“ Kann nur Paulus so formulieren und ich etwa nicht? Gott selber handelt. Damals in Cäsaräa. Und heute in Biedenkopf. Damals bei Paulus und heute bei dir und bei mir. Grund genug also, von diesem großen und liebevollen Gott Zeugnis abzulegen.

Pastor Michael Bürger

 Bildquelle: Rainer Sturm / pixelio.de